Die Zielgruppe

Jeden kann es plötzlich treffen: Eine erschreckende Diagnose, eine lebens-bedrohende Krankheit, zum Beispiel Krebs. Wenn alle medizinischen Therapiemöglichkeiten erschöpft sind, stellt sich die Frage nach dem Wohin. Ein Wohnen zuhause ist oft nicht mehr möglich oder erwünscht. Auf das Wirtschaften in den eigenen vier Wänden möchte man dennoch nicht gern verzichten, wenn man lange allein und selbstständig gelebt hat, je jünger man ist, desto weniger. Gleichzeitig wünscht man sich, nicht allein zu sein mit den praktischen Problemen des Alltags, den zunehmenden gesundheitlichen Beschwerden, den auftretenden Ängsten.

Hilfen wie der ambulante Pflegedienst und das „Essen auf Rädern“ helfen, den Alltag zu bewältigen, aber lassen Bedürfnisse unerfüllt.  Mit wem kann ich meine Sorgen teilen? Wie erfahre ich noch, was „draußen“ so los ist? Wer liest mir mal vor? Mit wem kann ich abends zusammen den „Tatort“  ansehen, den mitgebrachten Kuchen essen oder Mensch-ärgere-dich-nicht spielen?  Aber dann auch: Wo bin ich gut aufgehoben, wenn ich immer weniger kann? Und zuletzt: Wer steht mir bei, wenn ich sterbe?

 

Das Projekt richtet sich an allein stehende Menschen mit lebensbedrohlichen Krankheiten, die wissen, dass sie nur noch eine begrenzte Zeit – einige Monate oder wenige Jahre – zu leben haben. Das können beispielsweise „austherapierte“ Tumorkranke sein, aber auch Menschen, die an Muskelerkrankungen leiden.


Unser Vorhaben richtet sich gerade auch an jüngere Menschen, für die das klassische Pflegeheim in der Regel wenig geeignet ist, da dieses sich in an den Erfordernissen hochbetagter und oft dementer Menschen orientiert. Ein Mensch in der „Lebensmitte“ sieht sich mit dem drohenden Lebensende anders konfrontiert als ein alter Mensch nach einem langen, erfüllten Leben.

Wir möchten Raum bieten für Ängste und Fragen zu Tod und Sterben, aber auch ermuntern zur Erfüllung von noch vorhandenen Wünschen. Wir möchten Menschen ansprechen, die zum Zeitpunkt des Einzugs noch über ein gewisses Maß an Eigenständigkeit verfügen und die ihnen verbleibende  Zeit bewusst gestalten wollen; die den Kontakt zu anderen suchen und – soweit noch möglich – im Zusammenleben auf der Etage sich gegenseitige Hilfe und Unterstützung leisten wollen. 



Wir denken dabei besonders auch an Menschen, die Interesse an kulturellen und kreativen Angeboten haben und das Gespräch über spirituelle Themen suchen.  Wir haben vor allem auch solche im Blick, die nur über geringe finanzielle Mittel verfügen.

 


Marion, Kunsthistorikerin, ist 56
und alleinstehend, als sie an einem Tumor erkrankt. Nach Operation und Therapie kann sie zunächst noch allein leben. Doch ihr Zustand verschlechtert sich zusehends. Mehrere Krankenhausaufenthalte schließen sich an. Ihre Wohnung muss sie aufgeben. Sie braucht Pflege und Betreuung rund um die Uhr, möchte aber noch am Leben teilhaben, so weit es geht. Anderen ihre vielen Kunstpostkarten zeigen, die sie auf ihren zahlreichen früheren Reisen gesammelt hat,  und sich dabei erinnern: Ja, da bin ich mal gewesen, da war´s schön....

Uwe, 40 Jahre, leidet an Muskeldystrophie. Seine Arme und Beine kann er immer schlechter bewegen. Noch kann er sich  allein versorgen.  Aber er fühlt sich oft einsam und wünscht sich eine Gemeinschaft, in der er auch über seine Ängste sprechen kann: Was wird sein, wenn seine Kräfte nachlassen?  Der Austausch mit anderen ist ihm wichtig, aber ein privater Rückzugsraum muss sein. Noch bereitet er, der frühere Koch, sich seine Lieblingsspeisen selbst zu. Gerne würde er aber auch mal mit anderen kochen und anschließend um einen großen Tisch sitzen und gemeinsam essen.